Schloss Montagnon von Montegrotto Terme

Montegrotto Terme

Schloss Montagnon von Montegrotto Terme

An der Südseite des Monte Castello befinden sich die Reste eines größeren Dorfes, das zwischen dem 17. und 12. Jh. v. Chr. (Mittlere und Späte Bronzezeit) besiedelt war. Auf dem Gipfel des Hügels steht die sogenannte „Torre di Berta“ (Berthaturm), von dem auch die volkstümliche Bezeichnung des Hügels, Colle di Berta, herkommt. Der Turm wurde auf dem Schloss Montagnon erbaut, das schon um 1100 dokumentiert ist und das wiederum auf einem vorher bestehenden römischen Bau errichtet wurde.

Zu den Resten der Burg, die heute auf dem Gipfel und an den Abhängen des Hügels zu sehen sind, gehört eine obere Ringmauer, in deren Inneren man eine Zisterne, die Grundmauern eines großen Gebäudes und eine zweite Verteidigungsmauer beobachten kann, die mit dem Eingangstor verbunden war. Auf der östlichen Seite wurde die obere Ringmauer auf den Resten des Gebäudes aus großen rechteckigen Steinen, wahrscheinlich aus der Römerzeit, gebaut. Die schriftlichen Quellen bezeugen, dass die Burg schon im 12. Jahrhundert vorhanden war. Sie war Teil eines „feudum“, wie in einer Urkunde von 1116 des Bistums von Padua belegt wird. Die Gegenwart eines Lehngutes verweist auf die Existenz einer „curtis“: fast ein Beweis des Überlebens in dieser Zeit von Siedlungs- und Arbeitsgliederungen, die typisch für das 9. und 10. Jahrhundert waren. Eine Urkunde von 1188 verzeichnet die Gewährung vonseiten des Abtes des Klosters von San Silvestro von Nonantola (Modena) der Erbpacht der Burg und seiner Nebengebäude an die schon seit 1038 bekannte Familie der „da Montagnon“. Die Herren da Montagnon waren die Vertreter und die Bürgen der Interessen der großen Abtei von Modena, die schon seit der karolingischen oder ottonischen, wenn nicht gar schon seit der langobardischen Zeit, über diesen Teil der venezianischen Ebene Macht ausübten. In jener Zeit war die Festung wahrscheinlich mit dem Dorf an den Abhängen des Monte Castello eng verbunden. Aus den schriftlichen Quellen erfährt man auch einige Details über die baulichen Eigenschaften der Burg: in einer Urkunde von 1277 wurden die Befehlshaber gezwungen, immer „drei Leute auf jedem Turm“ zu halten, was uns indirekt sagt, dass es mehr als einen Turm gab. Übrigens hatte die Burg eine große Widerstandsfähigkeit, wenn man bedenkt, dass sie 1237 auch gegen die wiederholten Angriffe der fortschrittlichen Geschütze von Ezzelino da Romano widerstand: nur dank politischer Beihilfe konnte der Tyrann in Besitz der Burg kommen, die im Jahre 1256, zusammen mit Padua und den anderen Festungen dieses Gebietes, befreit wurde. Die Burg des Colle di San Pietro Montagnon kann als ein typisches Beispiel der Eigenschaften des „Incastellamento“ im Gebiet der Euganeischen Hügel bezeichnet werden. Zum Unterschied von anderen Gebieten in Italien, waren die euganeischen Burgen nie befestigte Dörfer, sondern mehr oder weniger ständige Wohnsitze der Herrscher und sie dienten auch als gelegentliche Zufluchtsorte für die umliegende Landbevölkerung. Jede einzelne Burg hatte ihre Gerichtsbarkeit auf eine gewisse Anzahl von Dörfern, die in den mittelalterlichen Schriften als „ville“ benannt wurden; die in dem damaligen als San Pietro Montagnon bekanntes Gebiet umfasste die jetzigen Montegrotto, Terradura, San Pelagio und Abano. Ende des Mittelalters veränderten sich Funktion und Eigenschaften der Burg auf dem gleichnamigen Berg: In der 1434 von Giovan Francesco Capodilista abgefassten Ordnung, die ein Verzeichnis von ungefähr sechzig Burgen des Paduaner Territoriums enthielt, wird der „Montagnone“ (d.h. die Burg auf dem Monte Castello von „San Pietro Montagnon“, Name mit dem damals das Gebiet des heutigen Montegrotto Terme bekannt war) als ein „fortilitium“ bezeichnet. Das deutet auf ein einfaches befestigtes Haus hin. In der Zeit zwischen 1675 und 1685 wurde die Burg Teil der Besitze von Alvise Lucadello, „ragionato ducale“ (Dogen Schatzhalter), der mit umsichtigen Immobiliengeschäften ein Landgut von mehr als achtzig Paduaner Campi zwischen den Monte Alto und den Monte Castello zusammenbrachte. Lucadello ersetzte die Burg mit einem Belvedere, das dann später in Erbschaft an Daniel Dolfin (1654-1729) überging. Heute befindet sich auf dem Gipfel die sogenannte “Torre di Berta“, ein burgähnlicher Bau, der aber vom 19. Jahrhundert ist.

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